Thomas Moecker

 

'VOM DASEIN UND SOSEIN. SKULPTUR, OBJEKT & BÜHNE' - mit Maria Anisimowa, Peter Buggenhout, Sandra Havlicek, Sofia Hultén, Sabine Kuehnle, Thomas Moecker, Simon Rübesamen, Michael E. Smith, Andrea Winkler

Frankfurter Kunstverein, Frankfurt am Main

Ausstellungsdauer: 24. Januar - 13. April 2014

Eröffnung: 23. Januar 2014, 20 Uhr

Thomas Moecker - REVUE

 

Thomas Moecker vereint in seiner Revue verschiedene Elemente zu einem bühnenartigen Ensemble unter Einbeziehung von Komponenten aus Architektur und Interieur. Dabei vermischen sich die Vorstellungen von Casino, Wandertheater, Jahrmarkt, Schaubude oder Varieté. Gewissermaßen lässt der Künstler auch Revue passieren: Zurückliegendes wird noch einmal durchdacht und rekonstruiert. Konfrontiert werden wir nicht mit einer Feierlichkeit im Kleinen, sondern vielmehr mit Ausdrucksformen des Kleinen. Alles funkelt, aber was wir sehen ist lediglich der Widerschein. Ohne die Hinwendung zu konkreten Assoziationsketten entsteht jenseits hegemonialer kultureller Ausformungen ein lockerer Repräsentationsrahmen für allumfassende Empfindungen für Konflikte, ein eindrucksvolles Substrat an Stimmungsbildern. Das "Kriegstheater" ist einerseits Ausgangspunkt für die formale Beschäftigung mit dem Element der Bühne. Andererseits transportiert die Darstellung kriegerischer Konflikte eine auch für Moeckers künstlerische Arbeit grundlegende Einsicht: Nicht so sehr die konfliktbeladenen Handlungen selbst sind das Thema, sondern vielmehr die Wahrheiten, die hierdurch ans Licht gefördert werden.

Zentrales Element der Rauminstallation Revue ist eine aus Bohlen zusammengefügte Bühne, deren Rückwand einen schematischen, stark auf die Grundformen abstrahierten Teddybären darstellt. Als stilisierte Figur der Unschuld und des Schutzes wird der niedliche Bär seiner Funktion sicherlich gerecht. Doch im überbordenden absurden Spaß kippen die funktionsgebundenen Stilisierungen, Trauer und Melancholie stellen sich ein, Sehnsüchte werden nicht mehr befriedigt, Abgründiges und Ruinöses tritt zu Tage.

Standarten, Trophäen oder Siegesdenkmäler sind funktionale Repräsentationsformen, die oftmals die Vormachtstellung und die Vorgabe kultureller Leistungen und Errungenschaften innerhalb von Scheingesellschaften zementieren. Diese und weitere Formen der Repräsention wandelt Thomas Moecker ab und überführt sie zitathaft in abstraktere Formen, entlarvt sie als überkommene Wahrzeichen, als Instrument, um Ideologien hochzuhalten. In dem Stimmungsraum aus Bühne, Teppichen, Vorhängen, Oberlichtern, Skulpturen und Grafiken endet die Mystifizierung und Legendenbildung: Epochale Ornamente werden zu nunmehr simplen Dekoren rückgeformt, klassische Formenwelten in fantastischen Erscheinungsformen neu beleuchtet und kommentiert, Maßstäblichkeiten und Verhältnismäßigkeiten in Frage gestellt.

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