Pressemitteilung 'The Monkey on My Back', GALERIE EMMANUEL POST | Berlin , 2012

 

Wir freuen uns sehr, die zweite Einzelausstellung der Künstlerin Gabriela Jolowicz in der Galerie Emmanuel Post anzukündigen. Unter dem Titel The Monkey on My Back werden mittel- und großformatige Holzschnitte der letzten Jahre gezeigt.

Gabriela Jolowicz setzt zumeist flüchtige Szenen des aktuellen Alltagslebens in einem der ältesten und traditionsreichsten Bildmedien, dem Holzschnitt um. Neben Stillleben mit Laptop oder Ipod finden sich vor allem dichte genrehafte Szenen großstädtischen Lebens und Interieurs im Musik- oder Billardclub. Der reale dreidimensionale Lebensraum und unmittelbar erlebte Situationen werden im zweidimensionalen Holzschnitt unter Beschränkung auf schwarzweiße Technik festgehalten. Fragmentiert und kaleidoskopartig friert Jolowicz ein bereits verblassendes Nachbild der Realität ein. Neben eine realistisch anmutende Darstellungsweise treten verfremdende Elemente. Die Nüchternheit der Szenen wird aufgebrochen durch die Einstreuung von Bildvorlagen und eigenwilligen Bildfindungen. Großer Detailreichtum und eine ausgeprägte Strukturvielfalt führen zu einer unübersichtlichen, irritierenden Gleichzeitigkeit der Formen. Steigerung finden die in teils äußerst filigranen, teils in kruden Schnitten umgesetzten Strukturen durch einen spielerischen Umgang mit Größenverhältnissen und durch perspektivische Verzerrungen, sie funktionieren als dekoratives grafisches Muster oder Tiefenraum suggerierendes Element. Herbert Eichhorn (Städtisches Kunstmuseum Spendhaus Reutlingen) spricht in diesem Zusammenhang von "einem wahren Horror Vacui und einer Lust am Aufbrechen der Oberfläche des Holzes" und verweist zugleich auf die bewusste Bezugnahme der Künstlerin auf die Geschichte des druckgrafischen Mediums.

 

 

 

 

KUNSTVERMITTLUNG STÄDTISCHES KUNSTMUSEUM SPENDHAUS REUTLINGEN
Sammlungsgebiet
Zeitgenössischer Hochdruck
Bild des Monats
März 2012

 

Der Holzschnitt „Acapulco“ von Gabriela Jolowicz zeigt vier junge Leute – drei Frauen und einen Mann –, die auf der Terrasse eines Lokals um einen Tisch sitzen. Man trinkt, es wird gestenreich diskutiert, der junge Mann überprüft die Eingänge auf seinem Mobiltelefon. Solche Szenen aus dem Leben junger Großstädter sind typisch für eine Werkgruppe, die die 1978 geborene Künstlerin in den letzten Jahren schuf. In anderen Blättern der Serie wird Musik gehört oder getanzt. In zwei Stillleben erscheinen mit Laptop und i-Pod die typischen Kommunikationsmittel der jungen Generation. Ähnliche Motive werden täglich sicher millionenfach mit dem Fotohandy dokumentiert und im Internet verbreitet. Gabriela Jolowicz hält diese flüchtigen Szenen aus dem modernen Alltagsleben nun aber erstaunlicherweise in einem der ältesten und traditionsreichsten Bildmedien überhaupt fest: im Holzschnitt.

 

Motive und Beschränkung auf das reine Schwarzweiß erinnern zunächst an populäre zeitgenössische Medien wie etwa Comic oder Graphic Novel. Darüber hinaus verweist das Blatt aber auch auf die Geschichte des Mediums Holzschnitt. Die vier Personen im Zentrum der Darstellung und ihre Körperformen werden eher summarisch geschildert, die beiden in einer Hollywood-Schaukel sitzenden hinteren Figuren nur als dunkle Schemen mit knapper Binnenzeichnung. Auf eine topografische Wiedererkennbarkeit oder auch nur auf eine korrekte Wiedergabe von räumlichen Bezügen und Größenverhältnissen wird kein Wert gelegt. Die Szenerie erscheint vielmehr wie eine Art Guckkastenbühne. Diese Merkmale lassen an Vorbilder aus der Geschichte der Druckgrafik denken, etwa an den spätmittelalterlichen Holzschnitt oder an stilistisch oft etwas ungelenke populäre Flugblätter aus späteren Jahrhunderten. In einem anderen Blatt der Werkgruppe zitiert die Holzschneiderin explizit solch ein historisches Vorbild: Auf dem Bildschirm eines Laptops erscheint ein Holzschnitt aus dem 15. Jahrhundert mit einem schreibenden Mönch.


Besonders auffallend an unserem Blatt ist, wie dicht die ganze Bildfläche gefüllt ist. Von einem wahren Horror Vacui und einer Lust am Aufbrechen der Oberfläche des Holzes angetrieben, hat die Künstlerin den Druckstock bis an die Ränder intensiv bearbeitet: Durch die Fenster und Türen in den Gebäuden rechts und links fällt der Blick in detailliert geschilderte Räume; mit besonderem Aufwand werden vor allem die unterschiedlichen Oberflächen und Materialien wiedergegeben; das Nebeneinander unterschiedlichster Strukturen, das sich so ergibt, wirkt fast wie eine Art Musterbuch für verschiedene Schnitttechniken. Teilweise scheinen sich diese Strukturen über ihre bloße Abbildungsfunktion hinaus zu verselbstständigen. Sie können zum Teil als autonomes abstraktes grafisches Muster gelesen werden. An anderer Stelle, wie etwa beim Fußboden der Terrasse, suggerieren sie irritierende Dreidimensionalität.


Die Holzschneiderin, die in London gelebt hat und heute in Berlin lebt, studierte an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst und zwar in den Klassen für Illustration von Volker Pfüller und Thomas M. Müller. Die Hochschule erlangte in den letzten Jahren vor allem durch einige auch international erfolgreiche Maler wie etwa Neo Rauch Berühmtheit. Daneben etablierte sich allerdings auch eine „Neue Leipziger Schule“ der Druckgrafik. Im Umfeld der Hochschule formierte sich auch der Leipziger LUBOK Verlag, der seit 2007 kostengünstige Bücher mit Originalgrafik von jungen Künstlern herausgibt, zu denen auch Gabriela Jolowicz zählt. Schon der Name des Verlags steht programmatisch für eine kreative Offenheit gerade auch für historische Formen und Funktionen der Grafik. Lubki sind volkstümliche Bilderbögen, die in Russland bis ins frühe 20. Jahrhundert z. B. auf Jahrmärkten verkauft wurden. Auch die auf den ersten Blick so ganz auf gegenwärtige Lebenswelten ausgerichteten Arbeiten von Gabriela Jolowicz, haben diese Offenheit und nehmen bewusst Bezug auf die lange Geschichte der druckgrafischen Medien.


Herbert Eichhorn, Städtisches Kunstmuseum Spendhaus Reutlingen, 2012

 

 

 

 

Pressemitteilung 'now playing', GALERIE EMMANUEL POST | Leipzig, 2010

 

Gabriela Jolowicz präsentiert mit now playing Holz- und Linolschnitte, deren alltäglichen Motive aus unmittelbar Erlebtem resultieren. Besonderen Reiz gewinnen die in traditioneller Technik umgesetzten Drucke durch ihre eigenwillige aktuelle Thematik (Musikclubs, Tattoo, McDonalds) sowie ihre überladenen, teils filigranen, teils kruden Oberflächenbeschreibungen. Sie kombinieren eine realistisch anmutende Darstellungsweise und verfremdende Mittel wie perspektivische Verzerrung und überbordende Strukturdichte.

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