"Zownir creates a mysterious sense of timelessness that takes the viewer to the realm of hyper-reality. It is impossible not to feel an intense emotional response when exposed to Zownir's work. He is one of those rare artists whose empathy burns through his images, championing misfits and dreamers who live out their lives a long way beneath the radar of "acceptable" society - just in between the blank spaces of the newspaper obituaries, and the dark shadows of the tenement housing blocks."

DAZED & CONFUSED
Issue 55, November 2007

 

 

Miron Zownir, der POET DER RADIKALEN FOTOGRAFIE, wie Autor Terry Southern ihn einst taufte, gilt mit seinen gesellschaftskritischen und tabubrechenden Sujets schon seit den frühen 80er Jahren als Underground-Ikone. Mittlerweile wurden seine Fotografien weltweit in zahlreichen Ausstellungen präsentiert, beispielsweise 2004 gemeinsam mit den Werken von Picasso, Goya, Cindy Sherman in der Ausstellung EL SALVAJE EUROPEO in Barcelona und Valencia.

Bereits Ende der siebziger Jahre fotografierte Miron Zownir in Berlin und London die aufkommende Punkbewegung und ihr Lebensgefühl zwischen Anarchie und Selbstzerstörung. 1980 emigrierte er in die USA und lebte fünfzehn Jahre in New York, Los Angeles und Pittsburgh.
In New York, der damals wohl faszinierendsten und freizügigsten Stadt der Welt, handelte Zownir sich schon nach kurzer Zeit den Ruf des TEUTONIC PHENOMENOGRAPHER (Village Voice) ein.
In expressionistischem Schwarz/Weiß portraitierte er ungewöhnliche Menschen und den alltäglichen Wahnsinn: Die Hoffnungslosigkeit in der Bowery. Die ungezügelte Lust auf den Gay-Parties, kurz bevor AIDS massiv Opfer einforderte. Den Protest von Künstlern und Performern gegen die zunehmende Kommerzialisierung Manhattans.

Mittlerweile legendär sind auch Zownirs Aufnahmen von den New Yorker Sex Piers. Bis zu ihrer Demontage Anfang der 80er Jahre waren die Sonnenbadabteilung für Nudisten und die umliegenden "Hallen der anonymen Lust" am Hudson River ein beliebter Treffpunkt für erotische Aktivitäten.

Schon in den USA arbeitete Zownir nicht nur als Fotograf, sondern ebenfalls als Drehbuchautor und Regisseur von acht Kurzfilmen, u.a. in Zusammenarbeit  mit Alexandre Rockwell als Kameramann, der einige Jahre später als Regisseur von "In The Soup" und "Four Rooms" bekannt wurde.
Dem japanischen Autor und Regisseur von "Tokio Decadence" Ruy Murakami, lieferte Zownir mehrere Filmideen.
Mit seinem Anti-Rassismus-Kurzfilm AUF OFFENER STRASSE (1993), der in zahlreichen Kinos im Vorprogramm gezeigt wurde, meldete sich Miron Zownir in seiner Heimat Deutschland zurück. Ein weiterer Kurzfilm folgte 1996, die zynische Gangsterpersiflage JETZT ODER NIE.

Mitte der neunziger Jahre reiste er nach Moskau und St. Petersburg und dokumentierte dort das erschütternde Elend von russischen Obdachlosen und Sterbenden in den Straßenschluchten eines veränderten Wirtschaftssystems. "Es war Dantes Inferno", resümierte Zownir am Ende seiner dreimonatigen fotografischen Recherche. Erstmals erschienen sind die Fotos aus Russland, neben über 150 anderen Fotografien aus den Jahren 1979-1997, in RADICAL EYE-THE PHOTOGRAPHY OF MIRON ZOWNIR (DGV Die Gestalten Verlag, 1997).

 

2003 wurde Zownirs Dokumentarfilm BRUNO S. - DIE FREMDE IST DER TOD im Panorama Programm der Berlinale und auf zahlreichen anderen internationalen Filmfestivals gezeigt. Bekannt geworden war Bruno S. 1975 durch seine Rolle als Kaspar Hauser in Werner Herzogs Film "Jeder für sich und Gott gegen alle", ein Jahr später spielte er die Hauptrolle in "Stroszek". Das filmische Portrait beleuchtet die Lebensumstände und die Vergangenheit des in Berlin lebenden, von der Öffentlichkeit vergessenen Schauspielers, Hinterhofmusikanten und Malers.

Im gleichen Jahr erschien Miron Zownirs Romandebüt KEIN SCHLICHTER ABGANG, ein skurriler Pulp-Krimi, im Bremer mirandA Verlag, dessen Programm auch Buchserien von Harry Crews, Henry Rollins oder Lydia Lunch umfasst. Inzwischen sind u.a zwei weitere Romane, eine Novelle, eine Sammlung von kurzen Texten, sowie das Drehbuch für den Neo Noir Thriller SCHNEEBALL entstanden.

Zownir, der inzwischen mehrmals an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin als Gastdozent tätig war, führte 2006 auch bei VALUEV vs VIOLENCE Regie. In dem Anti-Gewalt-Spot, mit Musik von Alexander Hacke, äußert Nikolai Valuev, der russische Boxer und ehemalige Weltmeister im Schwergewicht, seine persönliche Meinung zur Ursache von Jugendgewalt.

Mit ungebrochener Leidenschaft für seine Arbeit, nimmt Miron Zownir jenseits aller Normen und Konventionen auch als Fotograf weiterhin extreme Gegenwartsphänomene ins Visier. Seine Bilder erzählen von Armut, Einsamkeit, Religiosität, Sexualität, von Rausch und Gewalt. Nach RADICAL EYE wird demnächst ein weiterer Fotoband mit bisher unveröffentlichten Arbeiten u.a. aus Spanien, Frankreich, England und Deutschland entstehen.

In Miron Zownirs Spielfilmdebüt PHANTOMANIE, das in diesem Jahr fertig gestellt wird, spielt Bruno S. erstmals seit Jahrzehnten wieder eine Hauptrolle. Inmitten einer kalten, menschenverachtenden Welt lässt er sich als einsamer Pendler zwischen Traum und Realität in Zownirs surrealen Drama ganz auf den Zustand der Verschmelzung von Phantasie und Wirklichkeit ein.


www.mironzownir.com

.

xxnoxx_zaehler